das glaube ich

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Für mich gibt es 2 unterschiedliche Bedeutungen von dem Wort 'Glauben'. Zum einem bezeichnet 'Glauben' eine Vermutung, bei der auch Alternativen denkbar sind. Im speziellen steht der 'Glaube' aber für eine Sicherheit, für Vertrauen ohne Zweifel.
Während der vermutende 'Glaube' sich auf theoretische Gedankengebilde bezieht, steht das Vertrauen immer in Verbindung mit einer Beziehung.

Rein theoretisch wäre es denkbar, daß meine Eltern nicht meine leiblichen Eltern sind. Es wäre denkbar, daß ich im Krankenhaus vertauscht worden bin, oder daß mich meine Eltern aus schrecklichen Verhältnissen gerettet, zu sich genommen und mir dies verschwiegen haben, um mich vor meiner Vergangenheit zu schützen.

Es wird behauptet, daß ich vom Aussehen meinem Opa mütterlicher Seits und vom Verhalten meinem Vater und Onkel ähnle. Doch was beweist das?
Denn Trotz aller Ähnlichkeit überwiegen doch die Unterschiede. Man könnte natürlich einen DNA-Test machen lassen. Doch was würde der beweisen? Mir wurde nie bewiesen, daß es DNA gibt. Mir wurde nie bewiesen, daß es jemanden gibt, der so einen Test durchführen kann. Mir wurde nie bewiesen, daß es außer mir noch andere Personen gibt. Es ist doch ebenso gut denkbar, daß ich mich in der Matrix befinde und daß alles um mich herum nur ein Computerprogramm oder eine andere Illusion ist.

Wenn man allen Möglichkeiten gegenüber offen ist, gibt es keine Beweise, weil man, wie ein kleines Kind, alles hinterfragen würde. Nach jeder Antwort käme ein neues "Warum?"!

Für mich steht auch ohne Beweise fest, daß meine Eltern meine Eltern sind, und ich vertraue ihnen einfach.

Ähnlich sieht es mit meinem Glauben an Gott aus. Wenn ich sage, daß ich an Gott glaube, dann meine ich damit nicht, daß ich es für denkbar erachte, daß es die theoretische Möglichkeit gibt, daß wir von einem höheren Wesen erschaffen wurden sind, und daß es sein könnte, daß es legitim wäre, wenn er bestimmen würde was wir zu tun und zu lassen hätten.

Auch ohne Beweise ist Gottes Existenz ein Fakt und ich vertraue darauf, daß die Person, die mich erschaffen, mir Leben eingehaucht und dafür gesorgt hat, daß meine Mutter am 19.11.1975 keine Totgeburt erleben musste, Interesse daran hat, daß es mich gibt und daß es mir gut geht. Und ich vertraue darauf, daß mein Schöpfer, der mich und die ganze Welt um mich herum ausgedacht und so erschaffen, wie er es sorgfältig geplant und durchdacht hat, ganz genau weiß, was mir gut tut und was mir schadet.
Doch viel zu oft sehe ich nur auf meine Probleme oder Wünsche, hab die weitreichenden Konsequenzen nicht im Blick und verstehe Gottes handeln, Meinung, Wort, Perspektive oder Plan einfach nicht.

Das Grundlegende Problem ist, daß unsere Beziehung zu Gott und somit auch unsere Beziehungen untereinander, anstatt von Vertrauen und Liebe, überwiegend von Mißtrauen und Angst bestimmt wird.

Das Bild von einer funktionierenden Welt, das über allem zu schweben scheint, ist eins, das aus Kontrolle und Bestrafung besteht.
Doch woher kommt das Mißtrauen und die Angst?

Ich finde in den Abschnitten der Bibel vor dem Sündenfall keine Hinweise darauf, daß es Mißtrauen oder Angst in den Beziehungen der Menschen zu Gott und untereinander gab, auch wenn es oft so dargestellt wird.
In der Bibel steht nicht, daß Gott den Baum der Erkenntniss in der Mitte des Gartens gepflanzt hat, um die Menschen auf die Probe zu stellen. In der Bibel steht auch nicht, daß er den Menschen gedroht hat sie zu bestrafen, falls sie die Früchte des Baumes essen würden.

In der Luther Übersetzung steht im 1. Mose 2,16-17:
"Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm issest, musst du des Todes sterben."

In meinen Augen ist dies keine Strafandrohung.
Gott erlaubt den Menschen von allen Bäumen zu essen ("du darfst"), warnt sie aber davor die Frucht von einem bestimmten Baum zu essen ("sollst nicht") und erzählt ihnen, was es sonst für Folgen hätte.

In der Unterhaltung die Eva mit der Schlange hatte ist auch nicht von Drohung und Strafe die Rede:
"Da sprach das Weib zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rührt sie auch nicht an, daß ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage , da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist" 1.Mose 3,2-5

Eva hatte sich nicht von Gott bedroht gefühlt. Sie hat nicht gesagt, daß sie die Frucht nicht essen will, weil sie Angst davor hat von Gott getötet oder anders bestraft zu werden. Das was Eva sagt hört sich für mich an wie ein Kind das erzählt: "Meine Mama hat gesagt ich soll keinen Fliegenpilz essen, weil er mich vergiftet."

Auch die Schlange redet nicht von Drohung und Strafe, sondern sie bezichtigt Gott der Lüge. Sie stellt Gott als egoistisch, heuchlerisch und verlogen da, säte Mißtrauen und zerstörte somit das Vertrauen des Menschen zu Gott.

Mir scheint es auch so, daß Eva zu dem Zeitpunkt noch keine Angst hat, weder vor einer Bestrafung noch vor dem Tod an sich. Sie nimmt einfach 2 Früchte und gibt davon eine ihrem Mann, der ihr immer noch vertraute. Beide aßen von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen, was ihr Leben und sie selbst grundlegend veränderte. Sie wussten aufeinmal, daß das Böse, böse ist, bekamen Angst und das Mißtrauen beherrschte sie. Sie empfanden sich als schutzlos (nackt) und versuchten sich von einander abzugrenzen und zu schützen. Vor ihrem Schöpfer, der ihnen alles gegeben hatte, hatten sie solch eine Angst, daß sie vor ihm davon rannten und sich vor ihm versteckten
.
Satan hatte also den Menschen dazugeführt sich in Mißtrauen (Sünde) fallen zu lassen.

Durch ihr Handeln hatte Eva Vertrauen pervertiert. Adam vertraute seiner Frau, als sie ihm die Frucht zum Essen gab, wodurch er mit dem Virus des Mißtrauens angesteckt wurde. Er fragte nicht nach, woher sie die Frucht hatte. Während Eva von ihrem Mißtauen getrieben sich bewußt in die Sünde fallen ließ, wurde Adam durch sein Vertrauen mitgerissen.

Unsere Welt ist geprägt von dem Gedanken, daß man niemandem vertrauen kann. Man muß sich absichern, wo es nur geht und so viel wie möglich selber kontrollieren, denn man kann sich nur auf sich selbst verlassen. Doch hier liegt ein großer Irrtum.
Zwar hat es negative Folgen, wenn man den falschen vertraut und sein Vertrauen ausnutzen läst. Doch Mißtrauen und Kontrolle führt nur dazu, daß das Mißtrauen erwidert wird, Mißverständnisse auftreten, Angst geschürt wird und Haß entsteht.

Ich habe mir oft genug etwas vorgenommen, weil ich etwas wirklich machen wollte; habe dann aber meine eigenen Pläne verraten. Der Spruch "Der Weg zur Hölle ist gepflaster mit guten Vorsätzen!" kommt nicht von ungefähr.
Wie oft haben wir uns gute Vorsätze für das neue Jahr vorgenommen und sie innerhalb der 1. Woche gebrochen?
Auch der Fakt, daß der Rückfall von Süchtigen nach einer 'erfolgreichen' Therapie fast die Regel ist, sagt mir, daß man sich eben nicht auf sich selber verlassen kann.

Doch wie können wir aus diesem höllischen Teufelskreislauf von Mißtrauen und Angst herauskommen?

Ich bin inzwischen davon überzeugt, daß Gott zunächst nichts vom Sündenfall mitgekriegt hat.
Im 3. Kapitel des 1. Buch Moses steht in Vers 9:
"Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?"
Gott hat Adam also gesucht, weil er nicht wußte, daß die Menschen die verbotene Frucht gegessen, Angst gekriegt hatten und sich vor ihm versteckten. Gott hatte den Menschen vor der Gefahr gewarnt, ihnen vertraut und die Verantwortung über den Garten gegeben, und ist somit nicht der menschlichen Devise: "Vertrauen ist gut, Kontrolle besser" gefolgt.

Adam gab sich Gott zu erkennen und erzählte ihm, daß er vor ihm Angst hatte, weil er ihm schutzlos ausgeliefert ist.
"Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich." 1.Mose 3,10

Der Mensch lebte im Paradies, über das ihm die Verantwortung gegeben war. Doch anstatt es zu genießen, verkroch er sich und ließ sich von Mißtrauen und Angst beherrschen, weil er erkannt hatte was das Böse ist. Er brachte Gott in eine schwierige Lage. Der Schöpfer mußte nun seinem Geschöpf beweisen, daß er vertrauenswürdig ist.

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