75dm.com / Creative Writing / Kurzgeschichten / Taschentuch (8/9)

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"Ich halte die Hölle für einen Zustand des ultimativen Leidens, in dem man gefangen ist, an dem man sich auch nicht gewöhnen wird und aus dem einen nichts und niemand befreien kann. Ihre Freundin zum Beispiel, trotz aller Therapien, Hilfe und Liebe, die sie bekommen hat, wird sie von ihren alten Verletzungen, die in ihrer Vergangenheit liegen, immer noch ergriffen und eingenommen, auch wenn ihr jetzt keiner mehr Leid zufügt. Wär es ihr gelungen, ihren Körper zu töten, so hätte dies ihre Seele doch nur von ihrem Körper befreit, aber nicht von ihren seelischen Verletzungen und Ketten. Irgendwie glaub ich ist die Hölle die größte Form von Liebeskummer und Heimweh."
"Liebeskummer und Heimweh?"
"Joa! Liebeskummer und Heimweh! Einerseits sehnt man sich nichts sehnlicher als mit Gott und anderen zusammen zu sein, doch andererseits läßt man aus Angst niemanden an sich ran."
"Aha!" sagte ich und lauschte interessiert weiter seinen Ausfühtungen.
"In der Bibel steht ja, daß damals, als Adam und Eva von der Frucht der Erkenntnis gegessen hatten, ihnen die Augen aufgetan wurden und sie erkannten, daß alles an ihnen zu sehen und sie quasi schutzlos waren. Ihnen war klar, daß Gott alles mit ihnen machen konnte, was er wollte, deshalb mißtrauten sie ihm und hatten Angst vor ihm, liefen davon und versuchten sich vor ihm zu verstecken. Ich glaube, daß wir nach unserem Tod, wie Adam und Eva, nackt vor Gott stehen und auf einem Schlag alles klar ist. Alle unsere Fehler sind auf einmal als unsere Fehler für alle, uns eingeschlossen, zu erkennen. Und die Frage ist, ob wir dann Gott vertrauen oder wie Adam und Eva vor ihm aus lauter Mißtrauen und Angst wegrennen. Ich denke, daß es für uns alle notwendig ist, vor unserem Tod uns einzugestehen, daß wir ziemlich fehlerhaft sind und daß uns bewust wird, daß alle Falschheit in uns berichtigt werden muß. Wir müssen Gott vertrauen, daß er selbst als Jesus Christus unsere Schuld am Kruz beglichen hat. Wir müssen erkennen, daß Gott uns liebt, nicht weil wir irgendetwas geleistet haben, sondern weil er uns erschaffen hat, und daß wir rein sind, weil er uns geheiligt hat und nicht, weil wir irgendwelche Forderungen erfüllt haben. Wenn wir Gott wirklich vertrauen, dann nehmen wir das, was Gott gesagt hat und sagt ernst, interessieren uns für seine Sichtweise, fangen an unser Leben nach seiner Weisung und seinem Rat auszurichten und versuchen eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Dann wir Gottes Geist anfangen uns in alle Wahrheit zu führen und wir werden am Jüngsten Tag nicht vor unserem Vollstrecker, sondern vor unserem Freund stehen. Wenn wir aber nicht darauf vertrauen, daß Gott selbst als Jesus Christus unsere Schulden bezahlt hat,und wenn wir seine Vergebung nicht annehmen, weil wir meinen es nicht nötig zu haben oder es nicht wert zu sein, dann werden wir am Tag des Jüngsten Gerichtes vor einem uns fremden Schöpfer stehen, durch dessen erschaffenen Gesetze wir uns selber verurteilen. Die Erkenntnis der Wahrheit wird uns total schockieren und überfordern und wir werden vor lauter Mißtrauen und Angst uns jeglicher Gemeinschaft entziehen um mit unseren Fehlern und Schulden im eigenen Saft zu schmoren."

"Das sind ja alles andere als hoffnungsvolle Aussichten!" sagte ich.
Während er sich den Kopf schüttelte gab er zu: "Ja! Schön hört sich das nicht an, aber", fügte er hinzu, "es gibt ja auch Positives auf das man schauen kann. Zum einem scheien die Therapien Ihrer Freundin ja schon so einiges gebracht zu haben, so daß sie mit Ihnen eine sehr enge Freundschaft führen kann. Außerdem hat sie auch einen festen Job, der für sie sogar Sinn machen wird und der ihr bestimmt das Gefühl gibt Kindern davor zu bewahten, ähnliches wie sie durchzumachen. Mit ihrem Hintergrund wird sie die Probleme der Kinder wohl gut nachvollziehen können und eventuell so einen Besseren Zugang zu ihnen bekommen als andere und ihnen somit besser helfen können. Natürlich besteht auch die Gefahr, daß alte Wunden sich wieder öffnen, wie es wohl heute der Fall gewesen sein wird, was dazu führte, weshalb sie hier im Krankenhaus liegt. Doch dies sollte man als Chance sehen. Wenn ein gebrochenes Knie, zum Beispiel, falsch zusammen gewachsen ist, muß es wieder gebrochen und anschließend vrnünftig geschient werden um richtig heilen zu können. Ihre Freundin hat jetzt die neue Chance ihr Leben neu zu sortieren und zu ordnen, damit ihre Verletzungen vernünftig heilen können. Und das Sie erzählt haben, wie Sie heute auf merkwürdige Weise zu Ihrer Freundin geführt wurden, wie Sie sie in der Badewanne mit offenen Pulsadern gefunden und ihr das Leben gerettet haben, sagt mir, daß Gott nicht möchte, daß Ihre Freundin in der Hölle landet, sondern daß er sie davor bewahren will und ihre seelischen Verletzungen heilen möchte. Auch wenn ihre Freundin sich selber aufgegeben hat, so sagt Gott doch zu ihr: ‘Es ist noch nicht Deine Zeit zum Sterben, ich habe noch Hoffnung für Dich!’"

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